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Artikel » Bildung & Karriere Die direkte Demokratie als Auslaufmodell: Paris Hilton for President! |
Was ist denn eigentlich eine direkte Demokratie?Überlässt ein Volk zentrale Entscheidungen nicht allein der gewählten Regierung, dann nutzt es die Möglichkeiten der direkten Demokratie. Konkret: Die Bevölkerung entscheidet direkt, indem jeder volljährige Bürger sein Ja oder sein Nein zu wichtigen Sachfragen in die Urne legen darf. Die Stimmen werden ausgezählt und die Mehrheit bestimmt damit sehr direkt den politischen, wirtschaftlichen oder auch kulturellen Kurs, den ein Land einschlagen soll. Wie wird eine Minderheit zur bestimmenden Mehrheit?Gibt eine schweigende Mehrheit von rund 60% der Schweizer Bevölkerung ihre Stimme niemals ab, überlässt sie damit einer abstimmenden Minderheit von 40% das letzte und ultimativ gültige Wort. Das ist bemerkenswert. Zumal weltweit die Hälfte sämtlicher Volksabstimmungen des 20. Jahrhunderts in der Schweiz durchgeführt wurden. Mit anderen Worten: Die Schweizer stimmen alle paar Wochen über zentrale Fragen ab, aber fast zwei Drittel der Stimmbürger bleiben stumm und unsichtbar. Null Bock, als Kapitäne das Flaggschiff der Wirtschaft oder die schlingernde Jolle der Gesundheits- und Sozialpolitik mitzusteuern.Das bewährte Argument der Staatsverdrossenheit greift zu kurz.Fakt ist: Das Angebot an Demokratie übersteigt die Nachfrage bei weitem. Eines der intellektuellen Magazine der Schweiz, DAS MAGAZIN, hat Ursachenforschung betrieben und die abstinente Mehrheit zu den Gründen des dröhnenden Schweigens befragt. Interessanterweise hat das Argument der vermuteten Staatsverdrossenheit ausgedient und weitgehend anderen Hinderungsgründen Platz gemacht.Viele sind schlicht zu faul, Beruf und Freizeit lassen ihnen keinen Raum, sich um so nichtige Dinge wie um ihre Zukunft in ihrem Lebensraum zu kümmern. Andere fühlen sich nicht persönlich angesprochen. Wie bitte? Immerhin geht’s um Gesundheits-, Steuer- und soziale Reformen und um andere Fragen, die oftmals nur wenige Zentimeter von der eigenen Haustüre entfernt stattfinden. Ein beträchtlicher Teil fühlt sich überfordert, versteht den Inhalt der Abstimmungsvorlage nicht und bezeichnet sich selbst als schlecht informiert. Schade! Und ein Indikator dafür, dass Abstimmungsvorlagen wie Werbekampagnen gestaltet werden sollten! So dass jeder durchblickt, der mitreden möchte. Politiker von hemdsärmligen Schrot und Korn versus Paris Hilton.Jüngere Gruppen bemängeln, dass Politiker oftmals aussehen wie Politiker. Also uninteressant. Folglich kein Thema, die werden in der Zeitung überblättert, zusammen ihren politischen Äusserungen. Eine 25-jährige Studentin bestätigt freimütig, Politiker um die 60 wären mehr etwas für ältere Leute, hingegen würde sie alles lesen, was von Paris Hilton käme. Aha! Paris Hilton for President? Zur Rettung der direkten Demokratie? Vielleicht ist ein Kompromiss denkbar: Pop- und Szene-Ikonen bewerten wir primär nach ästhetischen Kriterien, bei Politikern und Wirtschafsführern bleiben wir ästhetisch etwas nachsichtiger und nehmen uns jeweils fünf Minuten Zeit, um nach möglichen Inhalten zu forschen. So könnte das gehen. Ein Fazit.Es soll jetzt keiner denken, wir redeten hier von einem rein schweizerischen Problem. Die Meinungsabstinenz grassiert hüben und drüben. Interessanterweise nicht am Stammtisch, nicht in Kaffeerunden, sondern ausgerechnet genau dort, wo Meinungen zu Tatsachen gemacht werden. Die blosse Feststellung ist ernüchternd, aber Lamentieren hilft nichts. Massnahmen sind gefragt, um schweigende Mehrheiten zu motivieren, an Ihrer Firma Deutschland, am Unternehmen Schweiz oder am Laden Österreich wieder aktiv mitzuarbeiten. Lassen wir uns nichts einfallen, entscheiden zufällige Minderheiten aktiv über die Zukunft von passiven Mehrheiten. Oder, nicht auszudenken, Paris Hilton übernimmt dereinst. Mein Vorschlag: Ich bin eine aktive Minderheit, auf dem Weg zu einer tatkräftigen Mehrheit! Machen Sie mit?
| | | 28.09.2006 15:58:10 von |
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