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Artikel » Bildung & Karriere Alternative Schulkonzepte in Deutschland |
Deutschlands Bildungssystem wird in letzter Zeit sehr kontrovers diskutiert, spätestens seit Bekanntgabe von Ergebnissen der letzten PISA-Studie. Mit ihr wurden Kenntnisse und Fähigkeiten 15-jähriger Schülerinnen und Schüler weltweit verglichen, wobei die Bundesrepublik Deutschland eher schlecht abgeschnitten hat. Kleinere Änderungen am Bildungssystem verbessern die Situation kaum nachhaltig, größere Reformen scheinen notwendig, weshalb auch alternative Schulkonzepte verstärkt ins Gespräch kommen. Dabei fällt der Blick immer wieder auf ein Land: Finnland. Ein Blick ins Ausland — FinnlandVielleicht sind es mutige Schritte, die eine Anpassung des Bildungssystems an die Moderne ermöglichen. Finnland hat solch einen mutigen Schritt 1972 gemacht: Gab es zuvor eine dem deutschen System ähnliche Gliederung in verschiedene Schulformen, so setzte man ab 1972 auf einheitliche Schulen, in die alle Schülerinnen und Schüler bis zum neunten Schuljahr gehen. Getrennt wird das System in eine sechsjährige Unterstufe und eine dreijährige Oberstufe. Etwa 70% der Schulgänger besuchen danach mit Erfolg die dritte Stufe, die gymnasiale Oberstufe, und schließen sie mit dem Abitur ab. Klassische Binnendifferenzierung existiert in Finnland nur zum Teil, allerdings gibt es spezielle Programme für lernschwache Schülerinnen und Schüler. Dabei kann es dann durchaus vorkommen, dass für diese Schulbesucher spezielle Lernziele formuliert werden, die nicht den Gesamtzielen einer Klasse entsprechen. Auch in Finnland können Nachhilfe und guter Nachhilfeunterricht die Leistungen des Einzelnen schnell und effizient steigern, das im Gesamten gute Ergebnis Finnlands bei den Pisastudien hat jedoch andere Ursachen: Die meisten finnischen Kinder gehen beispielsweise in die Vorschule, in der sie früh individuell gefördert werden. Insbesondere Kinder aus dem Ausland bekommen dabei auch intensiven Sprachunterricht, weil Sprachbarrieren zugleich Lernbarrieren sind und auf diese Weise beseitigt werden sollen. Sprachkompetenz ist ein Kernziel finnischer Schulen, sodass bis zum neunten Schuljahr zumeist Kenntnisse in zwei Fremdsprachen vermittelt werden, bis zum Abitur gar in vier, mitunter in fünf Fremdsprachen. Computereinsatz im Unterricht ist selbstverständlich. Finnlands Klassen sind in der Regel kleiner als die Klassen in Deutschlands Schulen, Unterrichtsausfall kommt selten vor. Psychologen und Kuratoren sind stärker in den Schulablauf eingebunden und entlasten die Lehrer bei sozialen Problemen der Kinder und Jugendlichen, Assistenten und Assistentinnen unterstützen die Lehrkräfte bisweilen beim Unterricht.So ist optimale Unterstützung für die einzelnen Schülerinnen und Schüler gewährleistet. Neben landspezifischen Faktoren — Finnland hat zum Beispiel seit jeher eine der niedrigsten Analphabetenraten der Welt — sind es also auch schulische Faktoren, die den Erfolg Finnlands begründen und die zum Teil für alternative Schulkonzepte in Deutschland verwendet werden könnten.
| | | 28.12.2006 22:34:34 von |
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