Welsch kritisiert in seinem Werk „Grenzgänge der Ästhetik“ die allgemeine Ästhetisierung und Verschönerung (in seinem Sinne auch „Verhübschung“) in Bereich hinein, in denen dies nicht von Nötigkeit ist und aus unkünstlerischen Zwecken geschieht.Dabei verweist er auf soziale, öffentliche und wirtschaftliche Bereiche, in denen eine Wertverschiebung von dem Zweck zum Erscheinen stattfindet. Hierfür benutzt er die Begriffe „Hardware“ und „Software“, und auch sonst ist seine Sprache selbst nicht frei von der Ästhetisierung, als deren Ankläger er sich selber empfindet. In dem Kapitel I.4 (Generaltrend Ästhetisierung – auf unterschiedliche Weisen) beschreibt er zuerst die Reaktionen mancher Leute auf diese von ihm so genannte Verkitschung. Die einfachste Reaktion ist in dieser Situation ebenso wie in vielen anderen Bereichen einfach das Wegsehen und Ignorieren. Dies umschreibt Welsch u.a. mit „weil nicht sein kann, was nicht sein darf“. Eine andere Möglichkeit der Reaktion ist nach Welsch’s Aussage, die Ästhetik nur auf die Kunst zu beziehen und alle anderen Aspekte der Ästhetik außen vor zu lassen, was ebenfalls eine Vereinfachung ist. Dies ist also auch nur ein Ausweichen, eine „Abwehr“ statt einer „Diagnose“. (Argument der These) Mit dem leicht überheblichen Wort „Eskapismus“ (der „für die ängstlichen Seelen nötig sei“) stellt er sich und seine Philosophie über diese Ansichten; denn er will die Problematik im Gegensatz zu ihnen „in den Blick“ nehmen.
Im Folgenden zählt er quasi auf, was die heutigen Probleme der Ästhetisierung seien. An erster Stelle nennt er die äußere Ästhetisierung an den Beispielen schöner Häuserfassaden, „animierter“ Geschäfte und perfekten Nasen (Schönheitschirurgie). Als Tiefenwirkung der Ästhetisierung beschreibt er die Stilisierung des Charakters an Stelle von moralischen Standards, die neuen Materialtechniken und die neue mediale Kommunikation. (subjektive, materielle und soziale Wirklichkeit.) Des Weiteren definiert er Ästhetisierung als den Prozess der Verschönerung von ehemals nicht zur Kunst gehörigen Dingen und Werten. Allgemein behauptet er, dass die Ästhetisierung unseres Bewusstseins die Verfassung der Kunst auf unsere Welt überträgt. Sowohl in diesem Kapitel als auch in den restlichen Kapiteln wird klar, dass Welsch dieser Ästhetisierung negativ gegenüber steht und trotz des sichtbaren Einflusses auf seinen eigenen Text die Ästhetik am liebsten nur in der Kunst sehen würde.
Dieser Grundgedanke widerspricht grundlegend dem Schillers in „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“, was Welsch in einem vorigen Kapitel auch (in einem falschen Zusammenhang) erwähnt. Denn Schiller will nicht, wie Welsch behauptet, den „Alltag mit Kunstcharakter voll pumpen“, wie es in der heutigen Gesellschaft passiert. Alles was Schiller in seinen Briefen über die ästhetische Erziehung beschreibt, dient einem Zweck – die Schönheit als grundlegenden, wichtigen Trieb anzusehen, der, in seinen Briefen auch Spieltrieb genannt, zwischen dem Formtrieb und dem Stofftrieb steht. Stofftrieb ist der Trieb der Aufnahme, womit sowohl körperliche als auch geistige Aufnahme gemeint ist, während der Formtrieb der Geist ist, der das aufgenommene ordnen und sortieren will. An anderer Stelle setzt Schiller sie auch mit dem sinnlichen und dem geistigen Trieb gleich. Insofern ist eine Ästhetisierung bei Schiller der Vorgang, der dem Menschen einen Ausgleich zwischen Körper und Geist verschafft und zugleich die gegensätzlichen Extreme aufhebt, was letztendlich erst die Freiheit des Menschen bewirkt. (Man ist nur frei, wenn man weder dem Stofftrieb unterliegt, noch den Zwängen des Formtriebes folgt – also wenn man mit den Sachen spielerisch umgeht.) Bei Welsch hingegen ist die Ästhetisierung lediglich eben die genannte Verhübschung, das heißt die Vertuschung eigentlich wichtiger Werte oder der Realität durch die Ästhetik, was bedeutet, dass er den Begriff somit negativ verwendet.