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Artikel » Hausaufgaben & Referate Württemberg um 1800: allgemeine Geschehnisse |
Das 18. Jahrhundert steht für Absolutismus und Aufklärung. Die barocke Lebenslust, die atemberaubende Prachtentfaltung in Schlössern und Kirchen, die noch heute von großer gestalterischer Kraft zeugt, ist nur eine Seite dieser Zeit, in der die Fürsten ihre Machtfülle beanspruchten.In ganz Württemberg entstanden Schlösser und Prachtbauten nach dem französischen Vorbild. Diese Baumaßnahmen und die verschwenderische Hofhaltung ihrer Bauherren kostete die Länder Unsummen. Die Untertanen mussten entsprechend unter den ihnen auferlegten, hohen Abgaben leiden. Jedoch wurde mit der Aufklärung der Absolutismus später gemindert. Die Leibeigenschaft wurde abgeschafft. Durch Verbesserungen in der Landwirtschaft und durch bessere Förderung der Bauern, wurde die Lage der Untertanen langsam besser. In diese Zeit des geistigen Aufbruchs hinein brach 1789 die französische Revolution, mit der man gerade im Südwesten, sprich Baden – Württemberg unterschiedliche Hoffnungen verknüpfte. Als die französischen Revolutionstruppen über den Rhein kamen, und sich in den rechts rheinischen Gebieten ausbreiteten, wurde plötzlich auch der Südwesten vom großen Umsturz betroffen. 1796 gelang es den Österreichern noch einmal die Franzosen aufzuhalten, bevor ein Mann die historische Bühne betrat, der das Gesicht Südwestdeutschlands entscheidend verändern sollte, indem er der in Jahrhunderten gewachsenen „Kleinstaaterei“ ein Ende machte: Napoleon Bonaparte. Ende des 18. Jahrhunderts gab es im Südwesten Deutschlands rund 300 eigenständige Territorien. Fürstentümer, Reichsstädte, Reichsritter, Klostergebiete und andere geistliche Herrschaften sorgten für eine rechtliche und religiöse Zersplitterung, bei der Baden, die Pfalz, Vorderösterreich und Württemberg nur die größten und bedeutendsten unter vielen waren. Nach den militärischen Niederlagen der antifranzösichen Koalitionen, konnte man 1801 den Rhein als Deutsch-Französische Grenze festlegen. Als Entschädigung für ihre links rheinischen Gebiete, erhielten die süddeutschen Fürsten 1803 Bistümer, Klöster und Reichsstädte. Gleichzeitig wurden Baden und Württemberg zu Kurfürstentümern erhoben. Damit aber nicht genug. Napoleon stützte sein außenpolitisches Konzept auf mittelgroße Staaten, die ihm einen Puffer zwischen seinem Frankreich und den Feinden im Osten, Österreich und Russland, verschaffen sollten. Diese Staaten musste er aber zuerst schaffen. 1806 bekamen Baden und Württemberg mit der Großherzogs- und Königswürde auch einen weiteren, enormen Gebietszuwachs. Lediglich die beiden hohenzollernschen Fürstentümer Hechingen und Sigmaringen überlebten diese umwälzenden Reformen, als kleine Staaten. Diese Umgestaltungen bedeuteten gleichzeitig das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Der Preis dieser Neuordnung war eben die Militärhilfe für Napoleon. Nur geschicktes Taktieren und gerade noch rechzeitiger Wechsel der Fronten rettete die beiden Länder davor, mit den Franzosen nach der Völkerschlacht von Leipzig 1813 auch zu den politischen Verlierern zu zählen. So konnten sie beim Wiener Kongress, ihre Gebietsansprüche geltend machen, und ihre Territorien behalten. Was schließlich zu unserer heutigen Landesform Baden - Württemberg führte. Wirtschaftliche Lage Württembergs um 1800Mit dem Absolutismus kam der Aufschwung. Die Landwirtschaft musste sich zwar immer noch mit Missernten und Teuerungen herumschlagen und der Zunftzwang bei den Handwerkern blieb eine Fessel, jedoch begann eine langsame aber vollkommene Modernisierung. Das größte Unternehmen Württembergs, die 1650 gegründete Calwer Zeughandels Kompagnie, beschäftige 1783 tausend Weber und viertausend Spinner und Kämmer. Daneben gab es um 1800 in Württemberg auch kleinere Betriebe, die in Pforzheim Uhren, oder in Schwäbisch Gmünd Schmuck herstellten. Landesherrliche Prestigeobjekte waren unter anderem die Seidenspinnereien in Stuttgart oder die Porzellanmanufakturen in Frankenthal und Ludwigsburg. In der Landwirtschaft stieg mit dem Anbau von Klee der Viehbestand, mit der Kartoffel wurde ein neues Grundnahrungsmittel gefunden. Obst und Weinbau sowie die Schafzucht wurden jetzt öfters angewendet. Außerdem wurde mit den Bodenschätzen des Südwestens wie dem Silberbergbau bei Christophtal, der Salzgewinnung in Rippoldsau und der Eisenerzverhüttung in Wasseralfingen, ein großer Gewinn eingefahren. Der allgemeine Handel bekam durch den Ausbau der Straßennetze und der Wasserwege, bessere Bedingungen. Soziale Lage Württembergs um 1800Trotz dieser positiven Entwicklung in der Wirtschaft und dem daraus entsprungenem Aufschwung konnte die soziale Lage der Bevölkerung meistens nicht verändert werden. Die sozialen Unterschiede zwischen den Ständen blieb bestehen. Der Adel, der weiterhin nur zwei Prozent der Bevölkerung ausmachte, spielte weiterhin die beherrschende Rolle. In der zweiten Hälfe des 18. Jahrhunderts stieg die Bevölkerung in Baden und Württemberg um rund 40 Prozent. Glaubensflüchtlinge sorgten dabei für ökonomische Innovationen und soziale Dynamik. Die Ernährungslage hatte sich zwar stabilisiert, jedoch blieb die Kindersterblichkeit weiterhin hoch. Auch Fron- und Leibeigenschaft waren noch nicht vollständig verschwunden. Schätzungsweise eine Million Südwestdeutsche verließen im 18. Jahrhundert ihre Heimat, hauptsächlich nach Osteuropa. Die meisten schlossen sich den so genannten Schwabenzügen zwischen 1716 und 1788 an. Es gab aber auch Bestrebungen gegen soziale Missstände, Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheit zu kämpfen. Es wurden Waisen-, Toll-, und Krankenhäuser geschaffen. Außerdem wurden Grundsteine des heutigen Gesundheitswesens gelegt. Höfischer PrunkZum barocken Gesamtkunstwerk gehörte die Repräsentationssucht nach französischem Vorbild. An den Südwestdeutschen Residenzen wurde französisch gesprochen. Die französische Kleiderordnung mit Allongeperücke und Reifrock, geschnürtem Körper und prächtigem Haaraufbau wurde streng nach Rangklassen gehandhabt. Es gab rauschende Maskenfeste und wilde Jagden, aufwendige Opernaufführungen und gleißende Feuerwerke. Bei Tisch wurden Speisen auf vergoldetem Service zusammen mit dem Porzellan der fürstlichen "Fayancerie" gereicht. Austern und Artischocken, Fische und Krebse, Wildbret und Geflügel, Konfiserie und Marzipan gehörten zu den mehrgängigen und mehrstündigen Essen. Für Nachschub sorgten Treibjagden, die oft mehrere Tage lang waren und bei den teilweise mehr als 5000 Stück Wild erlegt wurden. Außerdem machten die Fürsten großzügige Geschenke an Damen und Bekannte. Die Ausgaben für zum Beispiel Kerzen machten 1750 über 7 Prozent des herzoglichen Budgets in Württemberg aus. Die Kehrseite der verschwenderischen Hofhaltung waren gewaltige Schulden und wachsende Steuerlasten für die Bevölkerung, die meist nur aus ärmlichen Bauern bestand. Kultur um 1800Auch kulturell wurden im 18. Jahrhundert neue Maßstäbe gesetzt. Herzog Karl Eugen zum Beispiel ließ nach seinem Umzug von Ludwigsburg nach Stuttgart ein hölzernes Opernhaus aus dem Boden stampfen, das größte Europas. Es wurden riesige Bibliotheken zusammengetragen. Zum Beispiel in Bad Schussenried wurde eine Kornkammer des Geistes eingerichtet, die mehr als 20.000 Bände umfasste.
| | | 15.07.2006 19:13:16 von |
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