Datum: 09.02.2012, 05:07:37 Uhr 
 
 Aktuelle Kategorie:
  Hausaufgaben & Referate (26)
  Kategorieübersicht
Benutzerdefinierte Suche
Artikel » Hausaufgaben & Referate

Das Mätressenwesen um 1800

Unter einer Mätresse, auch Kurtisane genannt, versteht man eine offizielle Geliebte des Fürsten, Adligen oder sonstigen berühmten Männern.

Da es um 1800 häufige Zweckbeziehungen gab, die aus politischen Gründen entstanden sind und Eheschließungen mit sich brachten, war für die großen Männer üblich sich eine Geliebte zu "halten". Dabei war es nicht ungewöhnlich, dass der Mann zu seiner Geliebten eine engere Beziehung führte als zu seiner eigenen Ehefrau. Heute wird der Begriff umgangssprachlich bisweilen als Synonym für "Geliebte" benutzt, gilt aber als veraltet.

Entwicklung

Seinen Höhepunkt erreichte das Mätressentum in Europa im 18. Jahrhundert als etwa die Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. großen Einfluss auf die Politik des Landes hatte und offen Kunst und Kultur förderte. Für eine Zeitlang bürgerte sich am französischen Hof sogar die Sitte ein, dass die „Königliche Mätresse“ der Ehefrau vorgestellt werden musste. Damit wurde die Verbindung quasi offiziell. Auch an anderen Höfen Europas zu jener Zeit blühte die Mätressenkultur. In Sachsen war die Gräfin Cosel die offizielle Geliebte des Kurfürsten und in Russland umgab sich Katharina die Große mit mehreren Favoriten.

Zunächst begannen einzelne Fürsten heimlich ihre unordentlichen Neigungen mit Mätressen zu erfüllen. In der Öffentlichkeit wurde Empörung breit, als dieses unsittliche Verhalten bekannt wurde und die fürstlichen Geliebten wurden vom Volk herabwürdigend behandelt. Geistliche versuchten den Fürsten ins Gewissen zu reden, da solche ehelichen Ausschweifungen eine große Sünde darstellen würden.

Die Machtinhaber beharrten jedoch auf ihr Privileg, und ersetzten Beamte oder Hofdiener, die sich der aktuellen Mätresse nicht beugen wollten, durch gefügigere. Das Volk akzeptierte mit der Zeit das unsittliche Verhalten der Obrigkeit, und sah die Geliebten des Fürsten als einen notwendigen Bestandteil eines fürstlichen Hofes. Die Abwesenheit einer Mätresse wurde als "fühlbarer Mangel" angesehen, spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde die anfängliche sittliche Entrüstung vergessen.

Nach dieser allgemeinen Akzeptanz der Mätressen in der Gesellschaft entwickelte sich recht zügig der Trend die Liebschaften häufig zu wechseln. Eine lang anhaltende Beziehung zu einer Mätresse wurde als nachteilig empfunden, da so die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass eine einzelne Mätresse über einen langen Zeitraum zu viel politischen Einfluss auf den Regierenden haben könnten. Das beste Beispiel für dieses Verhalten weist "August der Starke" auf. Neben mehreren offiziellen Mätressen hielte er sich sämtliche Sängerinnen und Tänzerinnen seiner Oper und seines Balletts.

Mit der Zeit stellte sich aber auch der häufige Wechsel von Mätressen als tief greifend und verhängnisvoll heraus. Nicht nur die Würde des Fürsten und des männlichen Charakters bröckelte, vernachlässigt wurden auch die Pflichten des Regenten. Zwar lässt sich diese Aussage nicht pauschalisieren, denn Ludwig XIV gelang es trotz ausschweifender Liebe sein Land zu regieren. Die meisten anderen deutschen Sultane schlugen jedoch gnadenlos fehl, und zeichneten sich vor allem durch Tatenlosigkeit und Weichlichkeit aus- da die Verführung durch die Mätressen die volle Aufmerksamkeit erforderte. Daher kann man davon sprechen, dass die Erfüllung der Regentenpflichten als lästiges Nebengeschäft angesehen wurde.

Als Beispiel für Versagen dient der Hof des Herzogs von Württemberg, der als besonders prachtvoll galt und mehrere Opern und Theatern beherbergte. Alle dort angestellten Tänzerinnen waren gleichzeitig auch Mätressen des Fürsten und wurden daher auch nach Herzogs Geschmack auserkoren. Die Tänzerinnen prahlten damit, den liebessüchtigen Herzog mit ihren Diensten mindestens einmal glücklich machen konnten.
Dieser Herzog war reich beschert und hatte ein starkes Heer zur Verfügung, das unter anderem aus Zuschüssen von Frankreich finanziert wurde. Potenziell hätte man mit diesem Heer viele Kriege gewinnen können, allerdings zeichnete sich die Führung dieses Heers während des gesamten Krieges nur durch Fehler aus.

Pornokratie (Mätressenherrschaft)

Interessant ist die Wortabstammung von griech. porne „Hure“ und kratia „Macht, Herrschaft, Kraft, Stärke“. Der Begriff Pornokratie bezeichnet die Beeinflussung der Regierenden durch Mätressen. Der Begriff stammt allerdings schon weit vor 1800, ein Kirchenhistoriker und Kardinal prägte bereits im 16. Jahrhundert die Periode des Papsttums im frühen 10. Jahrhundert mit diesem Begriff. Machtinhaber in Rom waren besonders den Mätressen verfallen, denn meist glänzten diese prachtvollen Herren mit keinem eigenen Profil und ließen sich daher leicht von ihren Mätressen beeinflussen.
15.07.2006 20:17:45 von admin
Fügen Sie diesen Artikel Ihren Social Bookmarks hinzu:


Verlinken Sie diesen Artikel auf Ihrer Website:

Informationen über den Autor dieses Artikels:
Cookies müssen im
Browser erlaubt sein!

Passwort?
Registrieren!
Richtlinien lesen

Autoren-Topliste

  TOP

© 2010 by spicky.de | prosumer24 GbR | Impressum  

Page copy protected against web site content infringement by Copyscape