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Soldatenhandel in Deutschland

Als Soldatenhandel bezeichnet man allgemein das Verleihen von Soldaten, also Söldnertruppen, an fremde Staaten im Tausch gegen Geld. Unterschieden wird dabei, zwischen dem eigentlichen Soldatenhandel und den Subsidienverträgen, je nachdem ob der Erlös des Handels an die Staatskassen oder den Fürsten selbst geht. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde Soldatenhandel in der Antike, zwischen den Handelsstaaten Syrakus, Taranto und Karthago, betrieben.

Im 17. Jahrhundert wurde der Soldatenhandel wieder von den deutschen Staaten aufgegriffen. Mitte bis Ende des 17. Jahrhunderts wurden von Bernard von Galen, einem Bischof aus Münster, oder auch Johann Georg III. von Sachsen Soldaten an fremde Staaten verliehen. 1685 wurden allein 3.000 Soldaten nach Venedig geschickt, 1.000 davon nur aus Hessen-Cassel, um im Krieg in Morea gegen die Türken auszuhelfen. Der Erlös betrug hierbei 120.000 Taler. 1702 folgten 9.000 Mann der Seestreitmächte und 1706 11.500 Mann des Heeres nach Italien und an Englands König Georg I. sogar 12.000 Mann, was einen jährlichen Erlös von 4,8 Millionen Mark oder 240.000 Pfund machte. Später, von 1756 bis 1763, im Siebenjährigen Krieg, kam es zu ähnlichen Verträgen. Bedeutend umfangreicher wurde diese Politik jedoch während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, im Kampf der Engländer gegen ihre aufständischen nordamerikanischen Kolonien, verfolgt. 30.000 Deutsche kämpften damals in der Neuen Welt. In diesem Krieg erreichte das Vermieten von Söldnern das bis dahin höchste Ausmaß. Von dieser Geldquelle wollte auch Herzog Karl Eugen von Württemberg profitieren, indem er Soldaten ins Ausland verkaufte. Ein Vertrag mit Frankreich garantierte, dass Karl Eugen im Kriegsfall der französischen Regierung 10.000 Soldaten zur Verfügung stellt.

Ausgangsbedingung für den Soldatenhandel musste selbstverständlich ein großes stehendes Heer sein, dass dem Regent zur Verfügung steht. Da Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert, das Land war, das am meisten Soldaten in die Fremde verlieh, zu dieser Zeit stark absolutistisch geprägt war, traf dies für viele der deutschen Fürstentümer meist zu. In allen deutschen Staaten zusammen zählten die verschiedenen Heere insgesamt ungefähr 625.000 Mann. Bei einer Bevölkerung von 29 Millionen betrug dies somit 2,16% der Gesamtbevölkerung. Die Soldaten wurden dabei einerseits als Druckmittel gegen andere Staaten eingesetzt, um für die eigene Bundestreue, bzw. Neutralität, Geldzahlungen zu erzwingen, andererseits aber auch als Söldner, wenn sich eine günstige Gelegenheit dazu bot.

Anwerbung der Soldaten

Der Menschenhandel in dieser Form wurde auch von Friedrich Schiller in seinem Buch “Kabale und Liebe”, ausführlich behandelt. Ein Auszug daraus, der die Situation beschreibt:
"Es traten wohl so etlich vorlaute Bursch' vor die Front heraus und fragten den Obersten, wie teuer der Fürst das Joch Menschen verkaufe? Aber unser gnädigster Landesherr ließ alle Regimenter auf dem Paradeplatz aufmarschieren und die Maulaffen niederschießen. Wir hörten die Büchsen knallen, sahen ihr Gehirn auf das Pflaster spritzen, und die ganze Armee schrie: Juchhe nach Amerika"

Der heftige Widerstand in der Bevölkerung, gegen den Soldatenhandel, machte es notwendig, dass der Herrscher über deren Köpfe hinweg entschied. Deshalb war der Soldatenhandel vor allem im absolutistischen Deutschland weit verbreitet.

Viele Soldaten dieser Zeit sind nicht freiwillig in den Krieg gezogen, vor allem nicht in Kriege, die mehrere Tausend Kilometer von der Heimat entfernt stattfanden. Deshalb wurden, von staatlicher Seite aus, oft Soldaten gezwungen, als Söldner zu dienen oder zusätzlich wurden weitere Soldaten für diesen Zweck aus der Bevölkerung zwangsrekrutiert. Zum Teil wurden auch Soldaten durch List und Täuschung angeworben, indem man ihnen falsche Versprechungen, von Beute und Geld im fernen Amerika, gab oder machte sie mit einigen Getränken so betrunken, dass sie sich einschreiben ließen. Alles in allem gingen die Werber sehr aggressiv vor, denn sie erhielten für jeden Soldaten den sie anwarben, eine Prämie ausgezahlt. Aufgrund dessen, war der Soldatenhandel bei den Bürgern verhasst, vor allem aber auch weil der Erlös nicht ihnen, sondern dem verschwenderischen Adel zugute kam.

Allerdings gab es auch Motive, die die Menschen, vor allem Hessen, dazu bewegten aus freien Stücken in den Krieg als Söldner zu ziehen. Dort war beispielsweise das Militär, fast noch stärker als in Preußen, Tradition vieler Familien. Viele Soldaten hatten zu dieser Zeit Sehnsucht nach Abenteuern, sie sahen die Kolonialisten ohnehin nicht als gleichwertiger Gegner an. Desweiteren warteten Sold und Beute in der Ferne und Offiziere erkannten eine gute Gelegenheit sich eine Beförderung zu verdienen. Diese Söldner waren in der Regel schon vor ihrer Laufbahn als solche beim Militär als Berufssoldaten tätig.

Soldatenbehandlung

Die Soldatenbehandlung seitens der deutschen Fürsten war alles andere als vorbildhaft. Nicht nur, dass die Soldaten und ihr Leben ans Ausland verkauft wurden, die Soldaten wurden von ihren eigenen Fürsten sogar um ihren Sold betrogen. Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 wurde die Besoldung in der Regel nur indirekt von den deutschen Fürsten vorgenommen. Die Engländer zahlten neben dem Pro-Kopf-Geld auch den Sold der geliehenen Soldaten an die Fürsten. Dieser englische Sold war jedoch viel höher als der übliche deutsche, die deutschen Fürsten steckten diese Differenz in ihre eigene Tasche, zum Leide ihrer eigenen Landeskinder. Um dem entgegenzuwirken, kümmerte sich die englische Regierung fortan selbst darum, die Söldner entsprechend gerecht zu entlohnen.

Auch die Behandlung durch die Vorgesetzten war nicht gerade freundlich. Die Moral einer Truppe wird in der Regel durch Patriotismus, dem Ehrgefühl sein Vaterland zu verteidigen oder wenigstens einem Gefühl der Zusammengehörigkeit aufrechterhalten. Dies alles fehlte bei den “verkauften” Soldaten, deshalb musste man die Moral dadurch aufrechterhalten, dass man ihnen bei Ungehorsam unbarmherzige Strafen androhte. Vergehen, wie Fahnenflucht oder Fehltritte gegen die Subordination, wurden mit härtesten Sanktionen bestraft. Der Spießruthenlauf beispielsweise führte zu schwersten, mitunter tödlichen Verletzungen und demütigte den Gepeinigten aufs Schwerste.
Kam es schließlich doch zu einer Fahnenflucht, war die Zivilbevölkerung verpflichtet auf den Flüchtling Jagd zu machen, wer ihn erwischte bekam ein ordentliches “Fanggeld”, wogegen Sympathisanten oder Mitwisser bestraft wurden.

Söldner, die einmal angeworben wurden, hatten nur selten die Möglichkeit ihren Dienst zu quittieren. Sie wurden entweder durch Überredung oder auch häufig durch Gewalt dazu gebracht, einige weitere Jahre zu dienen. Erst mit dem Alter oder dann, wenn sie zu nichts mehr zu gebrauchen waren, wurden sie aus dem Heer entlassen, ohne Fürsorge für ihre zukünftige Existenz und mit einer nur unzureichenden Pension. In einigen Fällen wurde anstatt der Pension auch nur die Erlaubnis gegeben, beim Adel um einen “Zehrpfennig” zu begehren.

Kampf gegen das eigene Volk

Eine ernste Problematik war auch die, dass Soldaten eines Landes, an zwei sich untereinander bekriegende Fürsten verkauft wurden und somit die eigenen Landsmänner gegeneinander, im Auftrag eines völlig fremden Fürsten, in einem völlig fremden Land kämpfen mussten. Dies geschah beispielsweise im Österreichischen Erbfolgekrieg. Landgraf Wilhelm VIII. verkaufte 6.000 Soldaten an Georg II., alliiert mit Kaiserin Maria Theresia, und 8.000 an Carl VII. Für deren Krieg mussten Hessen gegen Hessen kämpfen und sterben.
Ähnlich geschah es auch im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, in dem Deutsche, vor allem Hessen, an der Seite der Engländer gegen die Amerikaner kämpften, von denen viele ehemalige deutsche Emigranten oder Nachfahren solcher waren. Ferner war es so, dass der Konflikt selbst zwar in Amerika stattfand, seine Motive aber bis nach Europa vordrangen: Streben nach Freiheit, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung und Kampf gegen Unterdrückung und Monarchie. Diese für die Bevölkerung sehr positiven Gedanken wurden schon bald von Schriftstellern und Philosophen aufgeschnappt, die sich auf die Seite der Amerikaner stellten.
15.07.2006 20:32:04 von AndreasD
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