Der Besitz - Land, Vieh und Rohstoffe - ist in der Hand des Staates. Hinzu kommt der Privatbesitz des Königs und der Besitz der Tempel.Für die Verwaltung dieser Gruppen sind jeweils eigene Beamte eingesetzt. Die wichtigste zentrale Institution zur Verwaltung des Staatsbesitzes ist das Schatzhaus, das die Abgaben aus dem ganzen Land und aus den Provinzen entgegennimmt. Das Schatzhaus beschäftigt außerdem Handwerker, die aus den eingegangenen Rohstoffen Gegenstände herstellen. Diese werden an Tempel gestiftet oder an Beamte für deren Grabausstattung geschenkt. Im »Neuen Reich« entsteht eine eigene Zentrale für die Verwaltung des Getreides. Sie berechnet die Getreideabgaben und nimmt sie entgegen. Die Bauern besitzen das Land nicht, das sie bebauen. Es gehört mit dem Ertrag dem König, dem Staat oder einem Tempel. Die Bauern werden dafür vom Staat versorgt.
Staatliche Angestellte verwalten die Herden; sie haben dafür zu sorgen, dass diese immer die gleiche Anzahl Tiere enthalten. Freie Handwerker und Handler gibt es ebenfalls nicht. Sie alle sind nur ein Glied staatlicher Institutionen oder Unternehmungen. Für ihre Versorgung ist der König verantwortlich. Sklaven gibt es fast nur als Haussklaven. Für große Bauunternehmen werden fallweise Ägypter verpflichtet oder Gefangene herangezogen. Dasselbe gilt für militärische Aufgaben. Erst im »Neuen Reich« gibt es Berufssoldaten. Sie werden, wie auch andere einfache Staatsangestellte und die Priester der Tempel, durch Felder versorgt, die ihnen zur Bebauung zugewiesen werden. Sie haben dafür eine geringe Abgabe zu zahlen. Besitzer dieser Felder bleibt der Staat oder der Tempel. Ähnlich sieht der private »Besitz« aus, der Beamten vom König geschenkt wird. Der streng geordnete Staat garantierte die Versorgung der Ägypter und das Funktionieren der Wirtschaft. Er entsprach darüber hinaus dem Bewusstsein dieser Menschen. Er war ihnen ein Abbild göttlicher Weltordnung, in der sie Geborgenheit fanden. Und von ihrer Lebensfreude geben Kunst und Schrifttum Ägyptens Zeugnis. Die Bilder an den Grabwänden stellen den Toten und all das dar, was in seinem Leben, seinem Amt wichtig war, und die Inschriften berichten davon. Bilder und In-schriften sind Wirklichkeit. Was sie wiedergeben, lebt. In der Statue, die den Toten in voller Lebenskraft darstellt, lebt er fort wie in der Mumie, dem balsamierten und in Binden gehüllten Leichnam. Der Tote braucht wie im Diesseits Essen und Trinken.
Darum werden ihm von den Verwandten Opfer ins Grab gebracht, darum wird der Tote an der Grabwand vor dem beladenen Speisetisch dargestellt. Damit er aber weiterlebt, muss bei seiner Bestattung ein bestimmtes Ritual, eine Folge von Handlungen und Sprüchen vollzogen werden, die dieses Leben bewirken. Zu ihr gehören Balsamierung, Klage, Reinigung und anderes. Im Ritual geschieht aber mehr als Erhaltung und Wiedererweckung irdischen Lebens; in ihm wird auch die Verwandlung des Toten in einen Gott bewirkt. Diese wird durch Sprüche, die dem Toten mitgegeben werden, immer neu vollzogen. Bei diesen Verwandlungen bedient man sich der Göttermythen. Das Geschehen des Rituals wird als Geschehen der Mythe gedeutet. Der Tote wird gleichgesetzt mit einem Gott, damit ihm so geschehe wie diesem. Die wichtigste Rolle spielen dabei Osiris und der Sonnengott Re. Osiris ist gestorben und auferstanden; der Mensch ist gestorben und wird, wenn er Osiris ist, ebenfalls auferstehen. Ebenso beim Sonnengott: Dieser stirbt täglich und wird jeden Morgen neu geboren.