Im ausgehenden 19. Jahrhundert begann das Königlich Bayerische Ministerium des Inneren mit der Herausgabe der Buchreihe “Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern“. Es sollte ein Band zu jedem Bezirksamt erscheinen. Das Bezirksamt war im Königreich Bayern gleichzusetzen mit den Landkreisen, wie sie bis zur Verwaltungsreform 1972 in Bayern bestanden. 1906 erschien der Band für das Bezirksamt Cham. Dieses hatte eine Ausdehnung von 366,87 qkm. In den 49 Gemeinden und 314 Ortschaften lebten fast 30.000 Menschen. Die größten Orte waren die Städte Cham und Furth im Wald.Das Bezirksamt grenzte im Süden an das damals zu Niederbayern gehörenden Bezirksämter Kötzting und Bogen, im Westen an Roding, im Norden an Waldmünchen und das Königreich Böhmen. Der heutige Landkreis Cham umfasst größtenteils die Gemeinden der ehemaligen Bezirksämter Cham, Kötzting, Roding und Waldmünchen.
Der nördliche Teil des Bezirksamtes wurde damals noch dem Böhmerwald zugeordnet, der südliche als Bayerischer Wald bezeichnet. „An landschaftlichen Reizen ist das gebiet reich“ konnte man in der Ausgabe von 1906 lesen. Eine völlig zukunftsweisende Aussage, sieht man sich die Entwicklung der Übernachtungszahlen in den letzten Jahrzehnten an. Natürlich ist die Natur ein Pfund mit dem sich im Tourismus gut wuchern lässt. allerdings sind die Kunst- und Kulturdenkmäler im ehemaligen Bezriksamt auch ein großer Aktivposten.
Anders als im restlichen Raum Oberpfalz ist aus der Zeit der Romanik kein Bauwerk erhalten, auch wenn die Mark Cham bereits im 9. Jahrhundert urkundlich fassbar ist. Der größte und bedeutenste gotische Bau ist die dreischiffige Kirche in Chammünster. Fragmente gotischer Malereien sind im Inneren erhalten, u.a. die Darstellung der „Drei lebenden und drei toten Könige“. Ein größerer gotischer Bau ist noch die Stadtpfarrkirche von Cham. Der gotische Stil hielt sich hier äußerst lange, wie die Wallfahrtskirche Hl. Kreuz bei Furth im Wald aus dem jahr 1619 zeigt. „Die übrigen gotischen Kirchen sind bescheiden“ steht in historischen Quellen nachzulesen.
Von der Adelsherrlichkeit ist nicht viel übrig geblieben. Nur noch das geschulte Auge erkennt die Burgställe auf dem Darstein und Sattelpleistein. Die Ruine Chameregg dürfte das älteste noch stehende Mauerwerk der Region Chamland sein. Burgruinen sind noch in Runding und Neuhaus zu besichtigen. Im Kern mittelalterlich sind die Schlösser Thierlstein, Loifling und Waffenbrunn.
In Cham hat sich ein Teil der Stadtbefestigung aus dem Mittelalter erhalten, darunter das Biertor, welches in dem mehrfach ausgezeichneten Nachkriegsfilm „Die Brücke“ die Kulisse hergibt. In de Stadt Cham und in Furth sind einige interessante Bürgerhäuser zu sehen. Erwähnenswert sind vor allem die Häuser rund um den Marktplatz der Kreisstadt und die beiden Rathäuser. Details können am Chamer Rathaus dramatische Geschichten erzählen. Beispielsweise sieht man einen eingemauerten jüdischen Grabstein. Dieser wurde nach dem Progrom in Regensburg hier her gebracht und vermauert.
Der heutige Denkmalbegriff unterscheidet sich doch von jenem um 1900 und so treffen Besucher auf weitaus mehr kunst- und historisch interessante Denkmäler, als in der Inventarisierung der Königlich Bayerischen Denkmalschützer vermerkt. Übernachtungsgästen bietet die touristisch bestns erschlossene Region Unterkünfte in Hotel, Pension und Ferienwohnung. Alle Konfort- und Preisklassen sind vertreten.