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Was ist Immaterielle Kunst?

Die Immaterielle Kunst ist in gewisser Weise die Fortführung der verschiedenen Kunstrichtungen der letzten Jahrzehnte.

Seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts lässt sich eine Tendenz von der Kunst als Handwerk weg beobachten. Die Form eines Kunstwerkes, also die Idee, die den Künstler zu diesem Kunstwerk motivierte, tritt seit dem immer mehr in den Vordergrund. Dies lässt sich am Dadaismus, an der abstrakten Kunst, an der Minimalistischen Kunst und der Aktionskunst nachvollziehen, denn rein handwerklich ist die Ausführung dieser Arten von Kunst keine große Schwierigkeit. Der künstlerische Ausdruck zeigt sich vielmehr in der Idee selbst. Am stärksten sieht man diese Tendenz jedoch in der Konzept Kunst (auch Conceptual Art) wie zum Beispiel bei dem amerikanischen Künstler Sol LeWitt. Der Vorgang in der Konzeptkunst verläuft folgendermaßen: der Künstler drückt die Idee zu seinem Kunstwerk lediglich in einem Konzept aus, welches schriftlich oder als Skizze vorliegt. Dieses Konzept wird dann an Assistenten weitergereicht welche dieses Konzept dann nach genauen Angaben ausführen und so für den Betrachter sichtbar machen. Ein gutes Beispiel dafür ist "Wall Painting #264" von bereits genanntem Sol LeWitt. Dieses Kunstwerk besteht aus vier Arten von Strichen, welche auf jede mögliche Weise miteinander kombiniert werden. LeWitt fertigte eine Skizze bzw. eine schematische Darstellung an, welche von einem Assistenten auf einer Wand umgesetzt wird.

Die Extremform der Immaterielle Kunst (die in gewisser Weise ein Überbegriff für Konzeptähnliche Kunst ist) funktioniert nun auf eine sehr ähnliche Weise, nur dass der letzte Schritt, die materielle Umsetzung durch einen Assistenten, nicht stattfindet. So spielt die materielle Kunst sich lediglich in der Vorstellung des Künstlers und des Betrachters statt und benötigt lediglich ein Hilfsmedium zur Übertragung des Gedankens. Wäre besagtes Kunstwerk Sol LeWitts Immateriell, so würde der Betrachter nicht die Umsetzung des Assistenten betrachten sondern nur die schematische Darstellung. Von dieser Darstellung aus entfaltet sich das Kunstwerk direkt in der Vorstellung, also im Geist des Betrachters.

Besonders interessant wird die Immaterielle Kunst auch in Bezug auf Objekte. In diesem Fall ist die Schrift als Hilfsmedium deutlich vorteilhafter als eine Skizze, da sie mehr Freiheit für die Interpretation des Betrachters lässt. Diese schriftliche Beschreibung des Immateriellen Objektes lässt besonders in Bezug auf Äußerlichkeiten viele Freiheiten und legt nur wenige innerliche Bedeutungen fest.

Das Beispiel der "Schiefrunden Perle" beschreibt ein eiförmiges Objekt mit glatter Oberfläche, welches tunnelartig durchhöhlt ist. Durch dieses Loch lässt sich hindurchpusten. Diese Beschreibung lässt äußerlich eine große Freiheit und legt nur einen einzigen Zweck fest. Das Objekt, welches sich der Betrachter aufgrund dieser Beschreibung vorstellt, ist ganz anders als das, welches der Künstler im Kopf hatte, obwohl sie in gewissen Punkten übereinstimmen.
Allgemein bekannt ist ein Stück Immaterieller Musik: "4:33" von John Cage. Bei der Aufführung dieses Stückes saß ein voll besetztes Orchester vor leeren Notenblättern und wartete die volle Minutenanzahl ohne eine Bewegung. Die Reaktion des Publikums selbst war insofern das eigentliche Kunstwerk.

16.11.2006 16:49:36 von derjesko
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