Es gibt viele Beispiele aus der Menschheitsgeschichte, die als der Beginn der Erzählungen durch Bildergeschichten anzusehen sein könnten. Man kann hier die Höhlenzeichnungen genauso erwähnen wie die Gravuren der Ägypter oder auch die Steinmetzarbeiten der alten Römer, die Bildgeschichten in einige imposante Säulen meißelten. Als ein direkter Vorläufer für unseren modernen Comic kann vielleicht am ehesten der berühmte Wandteppich von Bayeux aus dem Jahre 1080 (ca) gelten. Er ist 70 Meter lang und erzählt in 58 Episoden von der Invasion Englands durch Wilhelm den Eroberer. Auf diesem Wandteppich waren die Bilder schon mit einem Text verknüpft. Beispiele wie diese gibt es in der Geschichte noch einige zu erwähnen, aber sie blieben immer Einzelfälle und von den Bürgern ihrer Zeit weitestgehend unbeachtet.
Erst mit der Drucktechnik konnten die Bildergeschichten weiter verbreitet und daher populärer werden. Als erste wichtige Drucktechniken sind der Holzschnittdruck und die Lithografie zu nennen. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war die Drucktechnik dann soweit ausgereift, dass Bildgeschichten in Form von kleinen Cartoons und Karikaturen in den Zeitungen in höheren Auflagen von vielen Leuten gelesen wurden. So erschien 1830 in Frankreich die erste bebilderte Zeitschrift, die ihren Schwerpunkt auf dem Humor und der Satire hatte. Sie hieß „La Caricature“ und ebenfalls in Frankreich erschien nur 2 Jahre später die Zeitschrift: Le Charivari mit ganz ähnlichem Konzept. Was im revolutionären Frankreich seinen Beginn hatte, wurde 10 Jahre später auch in England, Spanien und Deutschland aufgebaut. Die Zeitschriften, die in dieser Zeit in Deutschland entstanden, hießen „Die Fliegenden Blätter“ und dem folgend der „Kladderadatsch“. Zeitschriften dieser Art fanden schließlich überall in Europa Verbreitung und etwas später dann auch in Russland, Amerika und Kanada. Durch die hohe Beachtung dieses Mediums, die mit den Karikaturen und Bildergeschichten zeitgenössischer Zeichner bestückt waren, bekam die Kunst der Zeichnung einen ganz neuen Stellenwert.
Aber noch einmal zurück. Schon einhundert Jahre früher lebte ein Mann, der als ein Pionier in der Kunst der Bildergeschichten gilt: William Hogarth (1697-1764). Er erzählte mit seinen Karikaturen ganze Geschichten, die schon damals trotz der noch vergleichsweise schlechten Bedingungen der Vervielfältigung sehr populär und für damalige Verhältnisse außergewöhnlich oft reproduziert wurden. William Hogarth war einer der wenigen Künstler seiner Zeit, dem es gelang, schon sehr viel Geld mit seinen Zeichnungen zu verdienen. Übrigens ist das Problem der Raubkopien ein nicht ganz so modernes Phänomen, wie wir glauben. Schon William Hogarth hatte damit zu kämpfen, dass Raubdrucke von seinen Werken gemacht wurden und er war schon zu seiner Zeit damit beschäftigt, eine vernünftige Regelung zum Copyright zu finden.
Nur wenige Jahre später schuf W. Hogarths Landsmann Thomas Rowlandson in seinen Bildergeschichten eine erste wiederkehrende Comicfigur in einem fortlaufenden Comic. Er schuf damit einen ersten Serienhelden, und er brachte obendrein eine weitere Neuerung in die Geschichte des Comics. Er ließ seine Figuren mit Hilfe von Sprechbändern reden und war damit ein Wegbereiter für die Sprechblasen, die im modernen Comic nicht weg zu denken sind. Andere Zeichner entwickelten und modifizierten die Sprechblasen ständig weiter.
Es würde den Rahmen dieser kleinen Übersicht sprengen, alle Zeichner aufzuzählen, die den Comic zu dem gemacht haben, was er heute ist.
Er entwickelte sich in viele Richtungen weiter und deckt heute Bereiche der Literatur genauso ab wie einfache komische Cartoons. Und immer wieder gibt es auch heute noch Neuerungen, wie die verhältnismäßig junge Kunst einer Comicform beweist, die sich inzwischen großer Beliebtheit erfreut: die Kunst der Manga-Comics.