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Rudolph, Santa Claus und der kleine Engel

Es gibt wohl kaum einen, der Rudolph, das Rentier nicht kennt. Die allermeisten haben ihn durch das berühmte Lied kennen gelernt, welches Johnny Marks nach der Geschichte von Robert L. May in Versform gebracht hat und dass in sehr vielen Ländern in den verschiedensten Sprachen gesungen wird. R.L. May hat die Geschichte 1939 in die Welt gesetzt und somit den acht Rentieren, die den Schlitten von Santa Claus ziehen, eines hinzugefügt.
Dass acht Rentiere vor den Weihnachtsschlitten gespannt sind, weiß die Welt übrigens schon seit dem Weihnachtsmärchen von C. C. Moore, welches schon 1822 geschrieben wurde, aber das ist eine andere Geschichte. Ich will hier von dem neunten Rentier, frei nach den Motiven von R. L. May, berichten, und zwar so, wie ich die Geschichte gehört habe.

Rudolph, Santa Claus und der kleine Engel
Ich brauche ja keinem zu erzählen, dass Santa Claus, der hierzulande der Weihnachtsmann heißt, in einem Land am Nordpol wohnt und dort Manager in einer Spielzeugfabrik ist. Dort werden alle Spielzeuge hergestellt, die es überhaupt nur auf dieser Erde gibt.
Santa Claus sitzt dort meistens in seinem großen Büro und sortiert all die Briefe mit den Weihnachtswünschen der Kinder. Dies ist sehr wichtig, da Santa Claus alle Wünsche und die Namen der Kinder in sein goldenes Buch schreibt, damit er nicht durcheinander kommt, wenn er und die Weihnachtsengel in der Weihnachtszeit all die Geschenke verteilen.
Immer wenn Santa Claus aus dem Fenster schaut, sieht er auf die vielen Rentiere, die in der weiten Landschaft seines Landes weiden.
Santa Claus schaute gerne auf die kräftigen und stolzen Tiere mit dem majestätischen Geweih. Dieses Jahr würde er wieder die schönsten Rentiere auswählen, die seinen Schlitten an Weihnachten ziehen sollten.
Jedes Rentier lebte in der großen Hoffnung vom Weihnachtsmann auserwählt zu werden, stählte für diesen Zweck seine Muskeln und putzte sich schön heraus.
Nein, doch nicht ganz jedes Rentier. Das Rentier Rudolph war da ganz anders, aber nicht so sehr, weil er es so wollte. Ihm hatte die Natur nicht ein so schönes Geweih und nicht so starke Muskeln gegönnt. Überhaupt war es viel kleiner als all die anderen. So lange Rudolph denken konnte, wurde er von den anderen Rentieren verspottet und nicht alleine nur, weil er schwächer als die anderen war, sonder besonders, weil er zu allem Überfluss auch noch eine leuchtend rote Nase hatte, so rot, dass sie sogar in der Nacht strahlte.
Rudolph sah, wie Santa Claus aus dem Fenster schaute und senkte traurig den Kopf.
Nie wird er mich auch nur anblicken, dachte er, was bin ich schon wert.
„Riiiieeesig viel bist Du wert“, sagt da eine glockenklare Stimme und lächelnd blickte Rudolph auf. Über ihm schwebte ein kleiner Engel, sein einziger und so guter Freund, dass man sich mehr Freunde gar nicht wünschen brauchte. „Hast Du wieder meine Gedanken belauscht“, entgegnete Rudolph mit gespielter Empörung und war riesig froh, dass sein Freund bei ihm war.
Rudolph konnte gar nicht sagen, was er ohne seinen kleinen Engel würde anfangen können in seinem Leben, denn außer Neckereien hatte Rudolph von den anderen Rentieren nichts zu erwarten, und so manche Stunde drückte die Einsamkeit schwer auf sein Herz. Aber immer wenn er es besonders schwer hatte, kam sein kleiner, großer Freund ihn zu trösten.
Das Jahr ging ins Land und der Winter kam und mit ihm der große Moment: In Scharen zogen die Rentiere vor die Spielzeugfabrik um sich Santa Claus zu zeigen, der wie immer die schönsten und stärksten Tiere unter ihnen aussuchen würde.
Und so geschah es. Santa Claus fand schnell die prächtigsten Rentiere und ließ sie vor seinen Schlitten spannen. Weihnachten war nah - es war Zeit zu den Kindern zu reisen. Alle Geschenke waren gepackt, die Engel stiegen mit auf den Schlitten auf, denn sie hatten beim Verteilen der vielen Geschenke zu helfen und jeder wartete nur noch auf Santa Claus, der in sein Büro gegangen war, sein goldenes Buch zu holen.
Da zog ein so starker Nebel auf, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hatte und tauchte alles in tiefe Dunkelheit. Santa Claus kam und konnte kaum den Schlitten finden. Als er dann den Aufbruch befahl, strebten all seine Rentier in verschiedenste Richtungen davon, da jedes blind in eine andere Richtung zog und es war nur den Engeln zu verdanken, dass der Schlitten nicht kippte.
„So geht es nicht“, rief Santa Claus und ließ anhalten. „aber was sollen wir nun tun“, ergänzte er mit einer Stimme, die noch niemals so sorgenvoll geklungen hatte.
„Ich weiß, was wir tun können“, sagte da laut der kleine Engel aus der Dunkelheit, „bitte wartet nur einen kleinen Moment“, und war schon fort, ohne eine Antwort abzuwarten.
Santa Claus blieb mit seinen Engel in der Dunkelheit sitzen und blickte ins tiefe Schwarz der Umgebung.
Auf einem Mal erschien ein rotes Licht in der Ferne, kam schnell näher und als das Licht dann ganz nah war, konnte man den kleinen Engel erkennen, der auf einem dünnen Rentier saß, dessen Nase hell rot leuchtete.
„Darf ich Euch vorstellen“, rief da der kleine Engel, „das ist Rudolph und ich wette, er kann Euch wirklich helfen.“
Santa Claus war ganz außer sich vor Freude. Alles um ihn herum war plötzlich in rotes Licht getaucht. Er konnte sowohl all seine Rentiere, als auch seine Engel erkennen und sogar in seinem Buch ließ sich wieder lesen. „Was bist du doch von der Natur beschenkt“, rief er glücklich, „bitte schnell, führe Du uns an.“
Mit diesen Worten wurde Rudolph vor all die anderen Rentiere gespannt. Überglücklich schaute er zurück zum Schlitten in das lachende Gesicht von Santa Claus und gleich dahinter sah er seinen kleinen, großen Freund, der ihm mit seinem linken Auge lächelnd zuzwinkerte.
„Und hoh,“ tönte Santa Claus und Rudolph stob davon. Hinter ihm all die Rentiere, die nun eine Orientierung hatten.
Von diesem Tage an wurde der Schlitten von Santa Claus von neun Rentieren gezogen und niemals hat auch nur ein Rentier je wieder etwas Schlechtes über Rudolph gesagt. Und wenn man an Weihnachten aufmerksam in die Nacht schaut, kann man gut den roten Punkt erkennen, der über den Himmel zieht. Dann weiß man, dass es der glückliche Rudolph ist, der mit den anderen Rentieren stolz den Schlitten vom Weihnachtsmann zieht.

06.12.2006 02:32:34 von Sam
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