Das Besondere an Wilhelm Kempffs Pianistik ist seine Individualität. Er hat es stets verstanden, den von ihm gespielten Stücken eine besondere Grazie und Eleganz im Detail zu verleihen, die dem ein oder anderen technisch vielleicht brillanteren Interpreten entgeht.Besonders geschätzt werden daher auch Kempffs einfühlsame Einspielungen der Romantiker wie Robert Schumann und Johannes Brahms. Es existieren zwar auch Aufnahmen der beiden Klavierkonzerte von Franz Liszt, doch fehlt es Wilhelm Kempff an donnernder Kraft und technischer Überlegenheit, um als ganz großer Liszt-Interpret zu gelten. Es sind vielmehr zartere und introvertiertere Passagen, in denen seine pianistische Kunst vollends zur Geltung kommt. Sein Stil zeichnet sich durch Freude an Trockenheit, Überraschung, Liebe zum Detail und einem intelligenten, schlanken Ton aus. Er war auch einer der ersten Pianisten, der sich den frühen und teilweise unvollendet gebliebenen Klaviersonaten von Franz Schubert gewidmet hat. Sie wurden zu dieser Zeit lediglich als Frühwerke und Studien des jungen Schuberts gesehen und fanden somit kaum Beachtung. Erst durch Kempffs liebevolle Interpretation wurden diese Stücke in die Öffentlichkeit gerückt und neu bewertet.
Die Erinnerungen an sein Leben hat er in der Autobiographie „Unter dem Zimbelstern“ und dem Buch „Was ich hörte, was ich sah. Reisebilder eines Pianisten“ niedergeschrieben.
Wilhelm Kempff erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, unter anderem einige Schallplattenpreise, das „Goldene Grammophon“ der Deutschen Grammophon Gesellschaft für 50-jähriges Wirken für die Schallplatte und den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst als Pianist und Komponist.
In den 20er Jahren war Wilhelm Kempff auch als Klavierlehrer tätig. Während seines Klavierunterricht lernte er seine spätere Ehefrau Helene Freiin Hiller von Gaertringen kennen.