Schätze zu sammeln war das liebste Hobby fast aller Fürstenhäuser weltweit. Und fast jedes Schloss besaß seine Schatzkammer, oft in dunklen Kellergewölben hinter dicken Mauern versteckt. Nur wenige Auserwählte hatten dann Gelegenheit, einen Blick hinein zu werfen. Der sächsische Kurfürst August II (1670 – 1733) allerdings hatte sich zum Ziel gesetzt, nicht nur aus Dresden eine glanzvolle Residenz von europäischem Rang zu machen. Auch seine Schatzkammer sollte alles in den Schatten stellen, was seine Fürstenkollegen gesammelt hatten. Geschichte der Dresdner Schatzkammer.
Im Laufe der Jahrzehnte hatte er unermessliche Schätze angehäuft: Meisterwerke der Juwelier- und Goldschmiedekunst sowie Kostbarkeiten aus Bernstein, Elfenbein, Edelsteingefäße und kunstvolle Bronzestatuetten und Objekte aus exotischen Materialien wie Korallen und Südseemuscheln. Viel zu schade, diese nicht einer größeren Öffentlichkeit zu zeigen. Im Erdgeschoss des Dresdner Residenzschlosses, zwei Stockwerke unter seinen Repräsentationsräumen, stellte er seine Schätze zur Schau. Teilweise grün gestrichene, gewölbte Räume der ursprünglichen „Geheimen Verwahrung“ gaben ihnen den Namen: Das Grüne Gewölbe zu Dresden.
August selbst wurde so zu einem der ersten Museologen der Neuzeit, hatte er doch zuvor seine Kunstsammlungen in verschiedene Sachgebiete geteilt: Gemälde, Porzellane, wissenschaftliche Instrumente... August starb. Die Sammlung des Grünen Gewölbes aber überdauerte die Zeiten, Kriege, Plünderungen, ja die Zerstörung des Residenzschlosses 1945 und den Abtransport in die Sowjetunion 1945-1958. Bis zur Jahrtausendwende wurde eine kleine Auswahl der Sammlung im Albertinum gezeigt. Nun ist das Grüne Gewölbe in das Dresdner Residenzschloss an seinen ursprünglichen Ort zurückgekehrt.
Zunächst öffnete im September 2004 ein Teil der Schatzkammer in der ersten Etage des Westflügels und zeigt in moderner Gestaltung über 1000 prachtvolle Stücke wie Johann Melchior Dinglingers Hofstaat des Großmoguls oder das Goldene Kaffeezeug, den Kirschkern mit den »186 Angesichtern«, die große Elfenbeinfregatte und phantasievolle Perlfiguren oder den weltgrößten Grünen Diamanten neben anderen Kunstwerken von hohem Rang in einer weltweit einzigartigen Ausstellung. Dieses Ausstellung ist als „Neues Grünes Gewölbe“ bereits zum Besuchermagneten geworden. Allein im ersten Jahr haben fast 800.000 Menschen die Schätze gesehen.
Zum 800-jährigen Stadtjubiläum Dresdens wurde am 15. September 2006 auch das historische Schatzkammermuseum August des Starken in den Gewölben im Erdgeschoss des Westflügels als „Historisches Grünes Gewölbe“ wieder für das Publikum geöffnet. Dresden erhält damit eine Schatzkammer in zwei , die mit dem Tower in London, dem Louvre in Paris oder der Eremitage in St. Petersburg zum Glanzvollsten und Eindrucksvollsten der Welt zählt.
Die Schatzkammer wurde in den Originalräumen so hergestellt, wie sie August der Starke noch zu Lebzeiten stolz seinen Gästen präsentierte: ein barockes Gesamtkunstwerk, das zum Ziel hat, dem Besucher den Atem stocken zu lassen ob all der Pracht. Rund 100 Restauratoren und Bildhauer, Maler und Handwerker haben die Prachtkabinette wieder nach historischen Fotografien und Vorbildern nachgestaltet. Dabei mussten längst vergessene Handwerkstechniken neu erlernt werden. Beispielsweise wurden große Kristallspiegel mit der metallenen Hintergrundfarbgebung des Barocks als Wandverkleidung hergestellt. Auch die Farben des Hoflackierers Christian Reinow wurden analysiert und allein für die Kunstmarmorierung zu 90 verschiedenen Farbtönen gemischt.
Am Ende der Arbeiten haben Neues und Historisches Grünes Gewölbe 41,6 Mio. Euro gekostet davon allein 12,3 Mio Euro für die Wiederherstellung der Wandverkleidungen des Historischen Grünen Gewölbes.
Seit der Eröffnung haben bereits Tausende Gäste, Toruisten und Beucher Drensdens dieses einzigartigen Raumgefüge mit fast 3000 Meisterwerken der Juwelier- und Goldschmiedekunst, Kostbarkeiten aus Bernstein, Elfenbein sowie Edelsteingefäße in einem überwältigenden Ausstellungskonzept bestaunen können. Über eine Staub- und Sicherheitsschleuse betreten die Besucher den begehbaren Tresor. Denn in den historischen Räumen stehen die kostbaren Kunstwerke nicht in Vitrinen, sondern frei auf Konsolen von Schauwänden und auf Prunktischen. Lediglich eine gläserne Brüstung trennt die Besucher von den wertvollen Kunstwerken.
Das Historische Grüne Gewölbe besteht aus zehn Zimmern: Vorgewölbe und Bernsteinkabinett, Elfenbeinzimmer, Weißsilberzimmer, Silbervergoldetes Zimmer, Pretiosensaal, Wappenzimmer, Juwelenzimmer, Bronzenzimmer und Raum der Renaissancebronzen. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören die Schmuckgarnituren aus wertvollen Edelsteinen wie Diamanten, Brillanten und Rubinen, sowie die von Melchior Dinglinger verzierten Mohrenfiguren von Balthasar Permoser.
Wie man am besten an Tickets kommt
Da nur jeweils höchstens 100 Personen pro Stunde in das Historische Grüne Gewölbe eingelassen werden können, ist eine Besichtigung nur über zeitgebundene Eintrittskarten möglich. Der Vorverkauf läuft exklusiv über die Dresden-Werbung und Tourismus GmbH. Besucher können bequem über das Internet jeweils bis zu 10 Eintrittskarten pro Termin erwerben und gleich selbst ausdrucken. Einlasszeit ist jeweils täglich außer Dienstag zwischen 10 und 18 Uhr alle halbe Stunde. Reiseveranstalter können nach Verfügbarkeit bis zu 30 Karten pro halbe Stunde buchen. Alle Karten sind zeitgebunden und kosten 11,50 Euro (inklusive Vorverkaufsgebühr). Eine Rücknahme oder Terminverlegung ist nicht möglich, ein kommerzieller Weiterverkauf nur mit vorheriger Genehmigung erlaubt. Für die Besucher stehen Audioguides in vielen verschiedenen Sprachen zur Verfügung.
Bis zu 200 Karten werden an der Museumskasse jeweils am Tag selbst verkauft. Wer im Vorverkauf keine Karte mehr erwerben konnte und dennoch auf der sicheren Seite sein will, stellt sich morgens rechtzeitig vor der Museumsöffnung um 10 Uhr am Eingang des Residenzschlosses an.
Während die Präsentation des Historischen Grünen Gewölbes sich vor allem an Einzelgäste richtet, kann das Neue Grüne Gewölbe auch bequem von Gruppen besucht werden und wird so weiterhin – neben dem Historischen Grünen Gewölbe – seine unverminderte Anziehungskraft entfalten. Diese ständige und zeitlich unbefristete Ausstellung können Besucher mit ganz normalen Eintrittskarten ohne Zeitbegrenzung, die gesondert an der Kasse erworben werden, täglich außer Dienstag von 10 bis 18 Uhr besichtigen.
Mit der Dresden City oder Regio Card ist der Eintritt in das Neue Grüne Gewölbe und die anderen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen frei. Die Eintrittskarte für das Historische Grüne Gewölbe gilt nicht in den anderen Musseen.