Wer kennt dieses Bild nicht: Regungslos am Ufer stehende Gestalten, welche lange auf das Wasser starren, um kurz nach Sonnenaufgang dem Morgennebel die erste "fette Beute" abzutrotzen, während sich "Normalsterbliche" noch behaglich in den Federn räkeln. Gemeint ist der Angelsport und seine Petrijünger. Kann man Anglern eher einen Sinn für Romantik und Sportlichkeit bescheinigen oder sind sie schlicht besonders altmodische Langweiler?Während man bis vor einiger Zeit das leicht verschrobenen Einzelgängern und Rentnern zugeordnet hat, konnte der Angelsport inzwischen beständig an Beliebtheit gewinnen - er erlebt ein regelrechtes Comeback. Augenscheinlich hat die zunehmende Sehnsucht der Menschen, den grauen Großstädten und tristen Betonschluchten zu entfliehen, das Naturerlebnis "Angeln" in einem veränderten Blickwinkel erscheinen lassen.
Selbst große Supermarktketten bieten vermehrt "Sorglos-Pakete" für Angeleinsteiger und Kurzentschlossene an. Wer sich allerdings nicht mit Biligsets "Made in China" zufriedengeben möchte, kann sich auch in einem der vielen Angelsport-Fachgeschäfte oder in den großen Angelshops im Web beraten lassen. Wie man sich auch entscheidet, eines steht jedenfalls fest: Großvaters Angelsport liegt regelrecht im Trend.
Dies ist auch insofern erstaunlich, als die deutsche Regelungswut der letzten Jahre das Angeln erheblich erschwert hat: Theoretisch darf kein Fisch mehr "zum Vergnügen" gefangen werden. Der Fang muß außerdem (nach Bundesländern unterschiedlich) festgelegte Kriterien erfüllen, mit Erlaubnis des zuständigen Angelrechtsinhabers erfolgen und ist ohne Besitz eines Fischereischeins (Prüfung) hierzulande kaum noch möglich.
Wen das alles nicht zurückhalten kann, dem bleibt nur noch "Petri Heil" oder ein anderes Land für die Angelei zu wünschen. Außerdem stehen einem natürlich nach wie vor die Weltmeere für unbeschwertes Angelvergnügen offen. Hier wird nicht gemaßregelt und abkassiert, sondern einfach „drauflos geangelt“. Auch unsere europäischen Nachbarn gehen deutlich entspannter mit dieser uralten Art der „Jagd mit Entspannungsfaktor“ um – schön also, dass nicht einmal die deutsche Bürokratie am Angelweiher die Lust am Fischen verhindern kann.