Das vordere und das hintere Kreuzband sind wichtige Stabilisatoren des gestreckten und gebeugten Kniegelenks und sind unabdingbar für seine Funktionalität. Die Kreuzbänder verlaufen von der Schienbeinkopfmitte zum Oberschenkelknochen, wobei sie sich überkreuzen und das Gelenk während der Bewegung führen. Unter einem Kreuzbandriss im Knie versteht man eine vollständige oder teilweise Ruptur eines oder beider Kreuzbänder, wobei im schlimmsten Fall auch Teile der knöchernen Strukturen mit betroffen sein können. Häufig entstehen Kreuzbandrisse als Sportverletzung im Rahmen von Sportunfällen. Die Erstversorgung eines solchen Kreuzbandrisses besteht in Maßnahmen wie Hochlagerung und Kühlung des betroffenen Beins und der Einnahme schmerzstillender Medikamente sowie Entzündungshemmer.
Ob eine Kreuzbandoperation notwendig oder sinnvoll ist, ist abhängig vom Alter, von der Morbidität und der Sportlichkeit des Betroffenen. Ein unbehandelter Kreuzbandriss kann in späteren Jahren zu Arthrose, zur Belastung anderer Strukturen des Kniegelenks wie Menisken oder Gelenkflächen sowie zu einer chronischen Instabilität führen, weswegen sich ein operativer Eingriff bei jungen, aktiven Menschen in jedem Fall lohnt.
Im Laufe der Jahre wurden verschiedene Operationstechniken entwickelt und erprobt, wobei sich heute ein übersichtliches Repertoire an Möglichkeiten herauskristallisiert hat. Die Operation eines gerissenen Kreuzbandes wird in der Regel ca. zwei bis vier Wochen nach dem Geschehen durchgeführt. Ein einfaches Vernähen der gerissenen Strukturen reicht jedoch aufgrund der mangelnden Durchblutung nicht aus, weshalb körpereigene Transplantate bevorzugt werden. Das Band wird durch eine Sehne ersetzt.
Eine Möglichkeit stellt dabei die Verwendung der Patella- Sehne dar, die sehr groß und stark ist und somit postoperativ oft auf eine Versorgung mit Orthesen verzichtet werden kann. Dadurch wird die Gefahr einer Muskelatrophie herabgesetzt und insbesondere Sportler können früher in ihren Sport zurückkehren. Die Patella- Sehne ist jedoch nur halb so elastisch wie das Kreuzband. Eine Alternative zu dieser Methode besteht in der Verwendung der Semitendinosus- Sehne, die zwar weniger stark ist als die Patella- Sehne, jedoch auch eine weniger schmerzhafte Heilung ermöglicht.
Die Kreuzbandoperation sollte nach Möglichkeit von einem Kniespezialisten durchgeführt werden, der aufgrund seiner Tätigkeit über ausreichen Erfahrung auf diesem Gebiet verfügt.
Nach der Operation eines Kreuzbandrisses folgt eine langwierige Rehabilitationsmaßnahme, wobei die volle Sportfähigkeit nach ca. einem halben Jahr erreicht wird. Sportlich weniger aktive Menschen oder nicht operationsfähige Patienten können durch eine konservative Behandlung mit Schienung und Physiotherapie eine ausreichende Funktionalität und Stabilität des Kniegelenks erreichen.